
Jugendgerecht mit einigen Versäumnissen - Freiheit- Gleichheit- Brüderlichkeit. Niemals in der Menschheitsgeschichte hat man Ähnliches erlebt, niemals ist wohl mit einer derartigen Wucht der Ereignisse das politische Machtgefüge im Miteinander der Menschen auf den Kopf gestellt worden.Das Mittelalter hatte die Ordnung der Menschen bestimmt und in religiösen und kulturellen Kriegen und Kämpfen immer wieder das festgezimmert, was wir Ständestaat nennen. Ganz oben herrschte der König, bzw. der regionale Machthaber (Fürst, Bischof, Graf etc.), es war alles fest geregelt und zwar so, wie es den Machtinhabern passte, nämlich von oben nach unten.Gerade der zur Schau gestellte Reichtum der Reichen und als Gegenteil die Armut und der Hunger der Massen führten zu dem, was kommen mußte, zum Sturm auf die Machthaber.Es ging sogar soweit, dass man den König und die Königin hinrichtete und ein System des Schreckens errichtete.Darüber ist viel berichtet worden, auch über die Willfährigkeit einiger Menschen, die (hauptsächlich auf dem Land!) in - sagen wir mal- frommer Ehrfurcht sofort gegen die Revolution waren.Daraus lernen wir, dass nicht alle Menschen für einen Umsturz der Verhältnisse sind und wir sehen, dass intelligente Vertreter der Menschheit sich Umsturzsituationen zunutze machen können (Napoleon), was ja, so sagen Forscher, der eigentliche Sinn und Zweck einer Revolution wäre (die Möglichkeit einer Verbesserung für Unterdrückte und die Errichtung einer Demokratie).Das ist die Quintessenz und das hätte eigentlich besser herausgestellt werden müssen in diesem sonst sehr guten Buch.Und dass trotz der Erkenntnisse aus Frankreich und einer weiteren blutigen Revolution in Russland es gewalttätige Menschen gibt, die es verstehen und ausnützen (Hitler, Stalin, Pol Pot z.B.) und Menschen und Menschlichkeit und die Kultur missbrauchen, das ist eigentlich erschütternd.Es darf auch angemerkt werden, dass es nach der framzösischen Revolution und nach dem Tod Napoleons einiges wieder rückgängig gemacht und gestärkt wurde (z.B. die an den Pranger gestellte christl. Religion , die ja maßgeblich an der Unterdrückung der Massen zur Verantwortung gezogen worden war).Auch das wird in diesem sonst ausgezeichneten Buch nicht genügend behandelt.Das Buch eignet sich trotzdem als kurze und gelungene Information für Schüler (und Erwachsene).
Informativ getextet und ansprechend gezeichnet - die Aktualität der Leitbegriffe Freiheit,Gleichheit,Brüderlichkeit wird klar - In seiner Buchreihe Geschichte erleben, die vorwiegend Jugendliche anspricht, versucht der Gerstenberg Verlag nach eigenen Angaben historische Ereignisse in Wort und Bild so lebendig werden zu lassen, dass der Leser Augenzeuge des Geschehens wird und dabei viel über das Leben der Menschen in der jeweiligen Zeit erfährt.Hans-Ulrich Thamer und der Zeichner Michael Welply haben sich in diesem Band der Reihe der Französischen Revolution gewidmet. Auf den ersten Seiten erläutern sie, warum die Begriffe Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu politischen Leitbegriffen der Französischen Revolution wurden und warum die zehn Jahre zwischen der Verfassungsrevolution des Sommers 1789 und der Machtübernahme durch Napoleon quasi ein Laboratorium der Moderne war. Denn in diesem Jahrzehnt durchlebte Frankreich alle Staatsformen des 19. und 20. Jahrhunderts, von der konstitutionellen Monarchie über die demokratische Republik bis hin zur modernen Diktatur.Die demokratische Kultur, die durch die Leitbegriffe der Französischen Revolution entstand, ist bis in die heutige Zeit wichtig und erstrebenswert, gleichzeitig aber auch immer wieder durch Rückfälle bedroht, und muss gegen mannigfaltige Angriffe von innen und außen verteidigt werden. Den beiden Autoren gelingt es gut, durch eine übersichtliche Gliederung mit jeweils kurzen Einführungstexten in das einzelne Kapitel, das historische Geschehen und die darin wirksam gewordenen sozialen Kräfte zu beschreiben. Das Bildmaterial, neben historischen Darstellungen und Abbildungen eindrucksvoll gezeichnete Szenen von Michael Welply, hilft dem jugendlichen Leser visuell sehr, das komplizierte Geschehen damals zu begreifen.Besonders deutlich wird in diesem sehr empfehlenswerten Geschichtsbuch, wie nah demokratische Errungenschaften und die Leitbegriffe von Freiheit , Gleichheit und Brüderlichkeit bei ihrem eigenen Missbrauch liegen, wie schnell in ihrem Namen die Entwicklung umkippen kann in die Diktatur der Selbstgerechten.Die Autoren ziehen kurze Fäden zu späteren Revolutionen (Oktoberrevolution z.B.), die vor genau dieser Dialektik standen und letztlich an ihr gescheitert sind.Klar wird dem jugendlichen Leser allerdings: bei allen extremen Erscheinungen und aller Gewalt damals: die Französische Revolution hat eine für Europa und in der Folge auch für viele andere Länder der Welt unumkehrbare demokratische Entwicklung eingeleitet, hinter die ein vernünftiges Gemeinwesen - eigentlich - nicht mehr zurückfallen kann.Dennoch ist gerade in der politischen Bildung von Jugendlichen in den mittlerweile multikulturell geprägten und nicht selten schon längst gespaltenen europäischen Ländern immer wieder von Nöten, diese Standards zu verteidigen und immer wieder neu zu begründen, z.B. gegenüber dem Alleinvertretungsanspruch eines fundamentalistisch bis gottesstaatlich daherkommenden Verständnisses des Islam, dem die Gleichberechtigung der Geschlechter und demokratische Mehrheitsentscheidungen schlichtweg wesensfremd sind.